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Es gibt keinen Trick, nur die Basics

Ich hatte bereits im „besser Mischen lernen“ Artikel erwähnt, dass Praxis und Erfahrung das Maß aller Dinge sind. Aber mir fällt immer wieder auf, wie viel heute mit irgendwelchen Vocal- Chains oder Kompressions- Tricks um sich geworfen wird.

Meine Erkenntnis ist es, dass es keinen Trick gibt, der Euch von 0 auf 100 zu einem guten Mixer macht. Die größten Fortschritte mache ich, seitdem ich konsequent daran arbeite, tägliche oder zumindest wöchentliche Praxis zu bekommen.
Und hier geht es nicht um irgendwelche esoterischen Sidechain- Kombinationen von Producer XY, sondern um die Basics: Ballance, EQ & Kompression. Wichtig ist es, auch genau diese Reihenfolge einzuhalten.
Viele bleiben immer wieder bei der Kompression hängen, sie wirkt einfach magisch anziehend.
Mittlerweile glaube ich jedoch, dass die Antwort auf die Frage „Wie höre ich Kompression?“ mit „Wenn du Ballancen verstehst wirst du hören, wozu Du Kompression brauchst und sie auch hören.“ zu beantworten ist.

Um eine Metapher zu verwenden, so ist es müßig zu fragen „wie verwende ich Schleifpapier um X zu erreichen“, wenn ich nicht einmal die Grundform ausgesägt habe.

Es ist auch völlig normal, dass sich ein Mix in Schritten aufbaut. Beim ersten Durchgang kann ich das Bass- Verhältniss eventuell +-3 db bestimmen. Aber desto mehr sich der Mix in vielen kleinen Schritten entwickelt, umso klarer wird, wo das Ziel ist. Erst wenn das Ziel gesteckt ist wird einem klar, „hey in Takt 2 & 3 passt es, aber Takt 4- 6 ist zu laut“. Hier muss ich also komprimieren, um die Lautstärke anzugleichen, um letztendlich mein Ziel zu erreichen.
Es geht immer um das Ziel, aber das muss erst einmal erarbeitet werden. Natürlich wird alles mit Erfahrung klarer. Aber das bedeutet auch nur, dass ein erfahrener Mischer weniger Durchgänge braucht und nicht, dass auf Anhieb alles klar ist.

Richtig Lernen

Tim Ferris hat ein gutes Buch über das Thema Lernen geschrieben. Gleichzeitig ist es ein Kochbuch, deswegen ist es wahrscheinlich weniger bekannt als es sein sollte. Der 4 stunden (Küchen-)Chef

Ferris beschreibt darin 4 Schritte zum effektiven Lernen:

  1. Deconstructing
    1. Das Lernfeld in Unteraufgaben zerlegen.
  2. Selecting the most valuable factors to learn
    1. Die wichtigsten Faktoren bestimmen. Im Buch beschreibt er zum Beispiel, wie er einen ex Basketballprofi interviewt hat, um seine eigenen Freiwürfe zu verbessern. Man soll sich wundern, wie viele Profis ihr Wissen teilen, wenn man die richtigen Fragen stellt.
  3. Sequencing
    1. Die ausgewählten Faktoren in einem sicheren Umfeld üben. Hier wäre ein Beispiel das Umschwenken in der Bratpfanne. Hier sollte man anfangs mit getrockneten Bohnen üben, um keinen Dreck zu machen oder sich zu verbrühen.
  4. Settings stakes to motivate you
    1. Beschreibt den Einsatz bei Wetten. Dieser verfällt, wenn man sein Ziel nicht einhält. Dazu gibt es zum Beispiel die Seite https://stakesomething.com/. Wenn man sein Versprechen nicht einhält, geht das eingesetzte Geld an eine wohltätige Organisation. Aber man kann auch einfach einen Freund bitten, als Kontrolleur zu dienen. Beispiel „du darfst diese 200 € behalten“, wenn ich x nicht bis zum 1.11.2021 erledige.

Das Modell in der Praxis

Für mich habe ich das Mischen so auseinandergenommen, dass es nur 2- 3 wichtige Bereiche gibt: Ballance darunter EQ und Kompression und Effekte, darunter Hall, Modulation und Saturation.

Und das ist der Grund warum ich sage, dass die Basics so wichtig sind. Ja es gibt Tricks, die irgendwann einmal helfen. Aber wenn man Level 1 & 2 nicht beherrscht, macht es keinen Sinn, sich mit Tricks zu beschäftigen, für die man eher auf Level 5 sein sollte. Das ist ehrlich gesagt nur Zeitverschwendung. Und das kann ich aus eigener schmerzlicher Erfahrung berichten.
Konkret: Warum sollte ich mich mit Multibandkompression beschäftigen, wenn ich nicht einmal grundlegende Ballancen oder Kompression beherrsche? Mittlerweile bin ich an einem Punkt, an dem ich diese auch hören kann. Das war aber die ersten 5 Jahre nicht der Fall. Wenn ich Multibandkompression benutze ist es aber wieder ein Werkzeug für ein konkretes Problem, das ich vorher bestimmt habe aufgrund meiner Erfahrung mit den Basics und auch erst später im Mix feststellen kann.

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