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Kalibrierte Abhöre – K14- System

Sollte man sich schon einmal mit dem Thema Mastering beschäftigt haben, wird einem der Name Bob Katz sicher geläufig sein.

Ich verlinke hier einmal den ersten Teil seines Artikels zum Thema Loudness kalibrieren mit der Abhörumgebung.

Wir sollten einige grundlegende Begriffe verstehen, bevor wir ans Eingemachte gehen.

Headroom werde ich hier als den Bereich über der 0db Marke definieren, die noch nutzbar sind. Als Beispiel haben analoge Pulte je nach Qualität ungefähr 20-30db Headroom über der 0 db Marke, bevor diese endgültig unbrauchbar verzerren.
Weiterhin gibt es mehrere Standards wieviel Volt die 0db Punkte ausgeben. Dieses bedeutet je nach Standard 0db = ein fest definierter elektrischer Strom. Auf alle Standards hier einzugehen würde am Thema vorbeiführen.

Der „Headroom“ im Digitalen sieht allerdings anders aus. 0 dbfs ist das absolute Maximum. Das fs steht hierbei übrigens für Full Scale, kennzeichnet ein digitales Meter und misst den Spitzenpegel (Peak). Wir haben also keinen 0 Punkt mit Headroom im herkömmlichen Sinne sondern nur einen Endpunkt. Man hat versucht immer näher an diesen Endpunkt heran zu kommen, aber mehr dazu im folgenden verlinkten Artikel.

Peak vs RMS Messung
Es gibt nun übergeordnet zwei Arten, die Lautstärke zu messen: Peak- Messung, die genau den aktuellen Wert angibt als Durchschnittsmessung über einen Zeitraum, zum Beispiel die RMS Messung oder die verschiedenen LUFS Messungen.
VU- Meter an analogen Pulten messen einen Durchschnitt. Der Vorteil an dieser Messung ist, dass sie dem Hörempfinden naheliegt, da wir nicht so gut Peak- Lautstärken beurteilen können. Deshalb orientiert sich der 0db Punkt im K-System am RMS Wert. Der obere Punkt des Headrooms benutzt dann die Peak Messung als technische Größe in der digitalen Welt.

Ein wenig zu dem Thema habe ich im folgenden Artikel geschrieben.

Das K- System

Grundidee des K- Systems ist es wieder einen Standard zu definieren, der einen fest definierten RMS Standard hat. Hier wurden 3 unterschiedliche Werte gewählt -12dbfs, -14dbfs und -20dbfs. Unterscheiden tun sich diese also durch den möglichen Headroom. Das K14 System mit einer durchschnittlichen Lautheit -14dbfs kann also einen maximalen Peak von 0dbfs haben und hat somit einen Headroom von 14 db.

Anwendungsgebiete:

  • 12db – Broadcast & Radio
  • 14db – Rock-/ Pop- Produktion
  • 20db – klassische Musik & Filmanwendungen

Für mich hatte ich also schon länger beschlossen, dass K14 die richtige Wahl ist, bevor Spotify und Co. quasi den -14db Wert zum Standard gemacht haben.

Lautsprecher kalibrieren

Das Ganze an sich wäre schon als System um Headroom zu bewahren ganz gut. Aber der nächste Schritt ist es, einen Fixpunkt für die Lautstärke festzulegen. Als grundsätzliche Empfehlung gilt 83 db SPL (slow C- weighted). Allerdings ist diese Empfehlung für Kinosäle auslegt. Für kleine Räume gilt eine Empfehlung von ca. 76 db. Quelle

Ich habe also mit einem SPL- Meter, mit den Testtönen die es bei Bob Katz auf der Seite gibt, meine Lautsprecher so eingemessen, dass diese genau bei diesem Wert von 76 db SPL (C-weighted, slow) liegen. Das gilt sowohl für die Focals, als auch für die Auratones.

Das bedeutet: standardmäßig sind alle Songs die via Spotify, Youtube und so weiter laufen, direkt auf der korrekten Lautstärke. Aber das ist eher ein glücklicher Zufall durch den aktuellen Standard.

In der Praxis

Das System ermöglicht es, mir eine Variable zu eliminieren. Durch den bereits beschriebenen Fletcher- Munson Effekt hören wir Frequenzen verschieden je nach Lautstärke. Wenn ich aber die Lautstärke festlege, habe ich immer den gleichen gehörten Frequenzverlauf. Somit kann ich besser bestimmen ob genug Bass, Mitten und Höhen vorhanden sind. Seitdem sind meine Produktionen wesentlich konsistenter in der Frequenz Ballance.

Ein weiteres Problem ist der so genannte Volume Creep, also das der Mix mit der Zeit immer lauter wird, weil man Elemente immer weiter aufdreht (lauter = besser). Irgendwann ist der Headroom weg, weil wir an die 0dbfs Marke stoßen. Da es aber mit der kalibrierten Abhörumgebung im Raum dann unangenehm laut wird, ist das Problem bei mir nicht mehr vorhanden.

Es ist ein wenig schwer zu beschreiben, aber auf einmal weiß man, wo die einzelnen Elemente Lautstärke mäßig hin sollen und das einfach nach Gehör. Für mich ist auch der Lerneffekt größer, da es einen bekannten Fixpunkt gibt. Natürlich höre ich auch in anderer Lautstärke ab (zu 95% leiser). Aber einen Knopfdruck auf die ARC Remote und ich bin wieder bei meinem bekannten Punkt. Der Dim Regler vermindert zusätzlich das Signal um genau -6db, also ist auch dieser leisere Punkt definiert. Ich habe also zwei Fixpunkte, kann aber natürlich noch nach Bedarf variieren.

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen, ohne die Kalibrierung zu arbeiten. Das wäre ein wenig wie Autofahren ohne Tacho und selbst mit Tacho verschätzt man sich manchmal.
Da bleibt mir nur noch zu sagen „Schöne Grüße aus Flensburg“. 😉

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